Marco Sairu e Andrea Cucculelli interview

Anlässlich der Markteinführung der neuen 959 Panigale haben wir Marco Sairu (Head of Engine Project Management) und Andrea Cucculelli (Superquadro 959 Engine Project Engineer) gebeten, uns etwas mehr über den brandneuen Superquadro aus dem Hause zu erzählen.

Lassen Sie wir uns zunächst über Drehmomente und Leistung sprechen. Wie grundlegend sind diese beiden Elemente im Motor der 959 Panigale für den Einsatz auf der Straße und der Rennstrecke? Marco: Die 959 Panigale ist für maximalen Fahrspaß auf der Straße und atemberaubende Fahrleistungen auf der Rennstrecke ausgelegt: deshalb hat die Weiterentwicklung des Motors im Vergleich zur 899 Panigale zu einer Steigerung der Höchstleistung von 148 PS auf 156 PS und einer deutlichen Erhöhung des Drehmoments ab 5.000 U/min geführt. Das bedeutet insbesondere, dass die höhere Leistung die Höchstgeschwindigkeit steigert, während das Drehmoment der 959 Panigale für einen stärkeren Schub sorgt und die Möglichkeit bietet, die Kurven auf der Rennstrecke mit noch mehr Leistung zu bewältigen. Zudem sorgt ein gutes Drehmoment im mittleren-unteren Drehzahlbereich dafür, dass Sie das Motorrad rundum genießen können, ohne schalten zu müssen. Welche Beziehung besteht zwischen der 959 Panigale und ihrer größeren Schwester? Und mit der 899 Panigale? Andrea: Die 959 Panigale erbt den technischen Inhalt der 1299 Panigale - von der Kupplung bis hin zum Einsatz der Steuerkette und den Kurbelgehäusehälften. Auch im Hinblick auf die Bauteile ist sie der größeren Schwester sehr ähnlich, außerdem übernimmt sie einen Teil der Elektronik, wie das Cockpit. Im Vergleich zur 899 Panigale hingegen garantiert der größere Hubraum ein Leistungsdelta im Hinblick auf die Motorleistung und das Drehmoment: Es handelt sich dabei um ein sehr gutes Delta, obwohl das für Euro4 zugelassene Motorrad eine Reihe von Emissionsbeschränkungen erfüllen musste, die wir aber kompensieren konnten. Kommen wir zur Technik. Geben Sie uns ein paar mehr Details über diesen Motor. Andrea: Der Motor ist eine Weiterentwicklung des Motors, der in der 899 Panigale verbaut ist: wir haben entschieden, die gleiche Bohrung beizubehalten und den Hub zu verlängern, der die 60,8 mm der 1299 Panigale erreicht. Wir haben es also mit einem weniger extremen Superquadro zu tun, der aber noch alle Vorteile in Bezug auf die Drehmomentoptimierung über einen sehr großen Umdrehungsbereich aufweist. Marco: Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Kupplung, die auf zwei Grundfunktionen reagiert. Die erste ist die der Servo-Unterstützung, die die richtige Drehmomentübertragung ermöglicht, ohne den Komfort am Fahrerhebel zu beeinträchtigen, während es sich bei der anderen um die Antihopping-Funktion handelt, die die Fahrzeugstabilität bei aggressiven Einsätzen auf der Rennstrecke beim Einfahren in die Kurven wie ein Profifahrer gewährleistet. Auch dieses Bauteil spiegelt das Konzept des „perfekten Gleichgewichts“ wider, so dass das Motorrad sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke vollen Fahrgenuss bietet. Aber um noch einmal auf die Euro4-Kompatibilität zurückzukommen, der Motor wurde aus mechanischer Sicht aus weniger lärmintensiven Bauteilen gebaut: dadurch war der Erhalt eines den Lärmvorschriften entsprechenden Motorrads möglich, ohne auf den charakteristischen Ducati-Sound verzichten zu müssen. Was bedeutet es letzendlich, bei Ducati einen Motor zu entwerfen? Marco: Wir wissen, dass wir mit unserer Arbeit nicht einfach nur Produkte herstellen, sondern Emotionen schaffen und dies in diesem Fall ganz besonders: die Entwicklung eines Superbikes gibt uns die Freude, den Ducati-Kunden die Leidenschaft zu vermitteln, die wir jeden Tag mit unserer Arbeit in die Tat umsetzen. Andrea: Einen Motor für Ducati zu entwerfen bedeutet im Grunde genommen, sich mit extremen Technologien auseinanderzusetzen und ihre Entwicklung täglich voranzutreiben, um dem Kunden Emotionen zu bieten, die mit denen vergleichbar ist, die die Fahrer auf der Rennstrecke erleben.